von Jana Stolzenberger M. A.                                                                                                                                                        

 

Die Arbeiten von Anke Oltscher sind facettenreich, assoziativ und vereinigen spielerisch scheinbare Gegensätze. Etliche ihrer Werke entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und beziehen sich auf kunstgeschichtliche Epochen, Personen oder Arbeiten: Ob antike Kaiserbüsten, der Kopf Marcel Duchamps oder Zeichnungen und Gemälde großer Meister, die meist zweidimensionalen Vorlagen werden in dreidimensionale, haptische Objekte mit außerordentlicher Wirkung verwandelt.

 

Viele dreidimensionale Werke der Künstlerin sind aus Gips und werden als temporäre Installationen präsentiert. Dabei nehmen die Objekte Bezug zum räumlichen Kontext: Bei „o.T.“ deuten lebensgroße Gipsarme in die Mitte eines Gerichtszimmers, so dass sie dem Betrachter geradewegs zu Leibe rücken und ihn das Angeklagt-Sein körperlich nachempfinden lassen.

 

Auf den großen C-Print-Arbeiten sind vorwiegend Personen in Bewegung dargestellt, denen die Umwelt entzogen wurde: Die Welt um sie herum ist bis auf wenige Details in weiß gehüllt. Trotz dieser Entwurzlung gehen die Menschen unbeirrt ihrer Wege, begegnen sich und wirken weniger verloren als man sich das als Betrachter vorstellen mag.

 

Gemeinsam ist den meisten Arbeiten Anke Oltschers die Farbe Weiß, was einerseits durch das Material bedingt und andererseits – wie bei den Fotoarbeiten – eine bewusste Entscheidung der Künstlerin ist. Die damit verbundenen positiven Assoziationen wie Reinheit, Unschuld oder auch Freude werden auf die Werke übertragen. Da die Arbeiten aber nicht nur auf Farbwirkung angelegt sind, sondern auch weitere inhaltliche Komponenten haben, entstehen diverse Brechungen – auch ironischer Art. So lässt sich die „unschuldige Geste“ des Werks „Versuch Fuß zu fassen“ durch die Unmöglichkeit des Ansinnens und die Offenheit der Darstellung auf vielfältige Weise interpretieren.

                                                                                                                                                                                                            Mai, 2009

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